Europameister heißt Nordirland!

Krökelturnier mit Flüchtlingen in Ilten

Sponsor Alfred Kempf (im weißen Hemd) verständigte sich mit seinem Mitspieler über Handzeichen.

Nordirland ist Europameister!

Dies vermeldeten zumindest der SV und MTV aus Ilten bereits vor dem diesjährigen Großereignis in Frankreich, welches vor Kurzem die Selecao aus Portugal erstmals für sich entscheiden konnte.

Die beiden Vereine ließen nämlich die EM bereits vorab spielen. Auf dem Platz: Plastikkameraden, die sich über eine Stange die Hände halten. So versuchen sie durch synchrone Bewegungen in der Horizontalen eine weiße Kugel vorbei an Gleichgestalteten vorbeizuschieben und den jeweils Letzten möglichst schnell zehnmal zu überwinden.

Am Abend des 10. Juni wurde auf diese Weise der Europameister ermittelt. Gegen 21.00 Uhr Ortszeit in Iltens Schützenhaus ging Nordirland als Europameister hervor, das sich in einem packenden Finale gegen Kroatien behaupten konnte. Hansi Hippler und Fabian Gisder hatten damit Händchen bewiesen, denn Sie manövrierten Ihre Mannschaft mit festem und gezielten Griff ins Finale und ganz oben auf das Treppchen und gewannen damit die erste Iltener Krökel-EM, die der MTV und der Schützenverein Ilten gemeinsam ausgerichtet hatten.

Keine Verständigungsprobleme scheint die Vierergruppe in der Bildmitte zu haben. Zwei Schiedsrichter (mit dem Rücken zur Kamera) erläutern womöglich die Spielregeln. Die beiden Aktiven, die der deutschen Sprache kaum mächtig waren, scheinen jedoch zu verstehen.

Christian Bruns (Bildmitte im weißen Hemd) erläutert seinen Schützlingen (links von ihm) die Spiele.

In drei Stunden hatten die Iltener zuvor den Original-Spielplan der Fußball-Europameisterschaft absolviert. Jedes der gemeldeten Zweier-Teams hatte sich für eine der teilnehmenden Nationen entschieden. So waren die Paarungen schnell klar. Für jede der im Original mit den Buchstaben A bis F bezeichneten Gruppen hatten die Organisatoren einen Tisch bereitgestellt. Ein Spiel war mit 2x5 Minuten angesetzt. Jeder Tisch wurde von einem Schiedsrichter aus dem Team des MTV Ilten überwacht. Die Mannschaften rekrutierten sich aus Ilten und den umliegenden Ortschaften. Besonders herzlich wurden 5 Teams begrüßt, in denen Flüchtlinge antraten.

Anschließend an die Gruppenphase, kam während der KO-Spiele phasenweise eine Stimmung auf, die eines echten Fußballstadions würdig war. Einen kleinen Bruch erlitt die Stimmungslage als im Viertelfinale Oliver Falk und Peter Müller ausschieden, die Deutschland repräsentiert hatten. Sie verloren ihr Spiel gegen die unter der Flagge von Kroatien angetretenen Zwillinge Jan Phillip und Ron Vincent Mau. Die 18-jährigen Brüder kämpften sich schließlich bis ins Finale. Und sie lieferten sich in einem ausgeglichenen Spiel einen harten Kampf am Tisch, den sie schließlich denkbar knapp mit 8:9 Toren verloren. Diese Leistung ist besonders beachtlich weil mit Fabian Gisder immerhin ein Bundesligaspieler des Deutschen Tischfußballbundes ihr Gegner war. Der hatte sich zwar nicht als solcher zu erkennen gegeben. Doch im Zeitalter elektronischer Medien blieb seine Identität nicht lange geheim.

Während die Mehrzahl der "Krökeltische" von Vereinsmitgliedern und den umliegenden Filialen der Volksbank Hildesheim ausgeliehen worden waren, hat einer eine besondere Zukunft vor sich: Er wurde vom Regionssportbund finanziert und wird im Schützenhaus verbleiben und den Flüchtlingen dauerhaft zur Verfügung stehen. Organisiert von Christian Bruns können die in Ilten und Bilm untergebrachten Flüchtlinge dann das Vereinshaus des SV Ilten als Anlaufpunkt nutzen.

Tischfußball ist in der Heimat dieser beiden Teilnehmer offenbar nicht verbreitet oder es gab es etwa andere Regeln? Ein leichtes "fremdeln" ist ihren Gesichtern zu entnehmen.

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